Wohnen im Alter in der Schweiz: ein Zuhause, das Selbstständigkeit unterstützt
Im eigenen Zuhause älter zu werden bedeutet, Gewohnheiten, Beziehungen und Entscheidungsfreiheit zu bewahren. Für die Architektur stellt sich damit eine konkrete Frage: Wie lassen sich Wohnungen gestalten, die einladend und nutzbar bleiben, wenn sich die Bedürfnisse ihrer Bewohnerinnen und Bewohner verändern? Die Antwort erfordert, den Wohnraum mit dem Quartier, den Dienstleistungen und der Organisation der Unterstützung zusammenzudenken.
Das Zuhause gehört zum Versorgungsweg
Seit März 2026 koordiniert die integrierte Überleitung der HUG den Übergang vom Spital zur Pflege zu Hause.
Für uns liegt die architektonische Bedeutung dieses Beispiels in der Kontinuität. Die Wohnung kann bewusster Teil des Alltags werden: ein gut erreichbarer Eingang, ein Bad mit Platz für Unterstützung, ein geschützter Raum für einen Besuch und klare Wege für Bewohnende und Fachpersonen. Ein Behandlungszimmer allein macht aus einem Gebäude noch kein gutes Zuhause.
Ein Zuhause mit unterschiedlichen Formen der Unterstützung
Bei der Planung lohnt es sich, vier Situationen zu unterscheiden. Eigenständiges Wohnen stellt das selbstbestimmte Leben in den Mittelpunkt. Pflege zu Hause umfasst individuell organisierte Leistungen. Eine Wohnanlage mit Betreuung ergänzt gemeinsame Angebote nach einem festgelegten Betriebsmodell. Eine sozialmedizinische Einrichtung deckt andere Pflegebedürfnisse ab. Diese Wege können ineinandergreifen, erfordern aber jeweils eigene Zuständigkeiten und Organisationsformen.
Die Genfer IEPA sind ein kantonales Beispiel für Wohnen mit Betreuung. Die Anerkennung folgt einer eigenen Planung und besonderen Anforderungen.
Unser Ansatz Bau Lütz Senior richtet sich in erster Linie an selbstständige ältere Menschen. Mögliche Dienstleistungen sind mit der Bauherrschaft und den zuständigen Anbietern festzulegen. Ein tragfähiges Projekt muss auch berücksichtigen, was geschieht, wenn sich Bedürfnisse verändern. Es kann nicht versprechen, dass jeder spätere Bedarf in derselben Wohnung gedeckt wird.
Pflegefinanzierung und Immobilieninvestition
Die EFAS-Reform betrifft Gesundheitsleistungen: Die erste Etappe ist für 2028 vorgesehen, die Einbeziehung der Pflege für 2032.
Diese Entwicklung bedeutet keinen automatischen Beitrag zum Bau von Wohnanlagen. Bei der Prüfung einer Initiative unterscheiden wir zwischen Gebäudekosten, Mietzinsen, dem Betrieb gemeinsamer Räume und Betreuungsleistungen. Das Gespräch mit Gemeinde, Kanton und möglichen Betreibern muss von der örtlichen Nachfrage und den tatsächlichen Bedingungen des Vorhabens ausgehen.
Architektur beginnt im Alltag
Eine Wohnanlage sollte als Ort zum Leben erkennbar sein. Wir schlagen eigenständige Wohnungen, verständliche Zugänge und gemeinsame Räume vor, in denen Begegnungen möglich, aber nicht verpflichtend sind. Eine Bank an einem hindernisfreien Weg, eine gemeinsame Küche oder ein Garten können Beziehungen fördern, wenn sie Teil einer einfachen, sorgfältigen Anordnung sind.
Tageslicht, Proportionen, Schatten, Ruhe und der Bezug zur Landschaft gehören zur gleichen Aufgabe. Wir untersuchen natürliche Materialien wie Holz, Lehm, Kalk und Pflanzenfasern, sofern sie zu den technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen passen. Es sind Entwurfsansätze, die für jedes Vorhaben geprüft werden müssen, keine bereits zertifizierten Leistungen. Auch die Bedienung im Haushalt soll intuitiv sein: Technik dient den Menschen, wenn sie den Alltag erleichtert.
Ein Ansatz, der mit dem Ort entwickelt wird
Bau Lütz Senior ist unser Forschungsprogramm für selbstständiges, zugängliches und ökologisches Wohnen. Es kann Neubauten, Umbauten und die Weiternutzung bestehender Gebäude begleiten, ohne in jedem Kanton dasselbe Gebäude zu wiederholen. Klima, Siedlungsstruktur, Dienstleistungen und örtliche Lebensgewohnheiten bestimmen die Entscheidungen.
Für Gemeinden, Stiftungen, Genossenschaften und Eigentümerschaften kann eine Vorstudie der erste Schritt sein: die Nachfrage klären, das Grundstück oder Gebäude verstehen, Möglichkeiten vergleichen und die erforderlichen Beteiligten bestimmen. Aus dieser gemeinsamen Arbeit kann eine Vision zu einem Projekt im Auftrag werden.
Quellen und redaktionelle Einordnung
Dieser Beitrag unterscheidet Angaben aus öffentlichen Quellen von unserer architektonischen Einordnung und dem Ansatz von Bau Lütz. Dokumentation geprüft am 15. Oktober 2026.
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